Anna liebt Jesus und Jesus liebt Anna. Mit dieser Überzeugung zieht die bodenständige Katholikin selbst im Urlaub als Wandermuttergottes-Hausierer umher, um ihre Mitmenschen vom christlichen Paradies zu überzeugen. Abends schenkt sie Jesus ein bisschen mehr als nur ein Gebet; so beginnt Seidls Teil 2 der Paradies-Trilogie auch gleich damit, dass sich Anna vor dem Kreuz knieend auspeitscht. Die Verknüpfung zu Teil 1 "Paradies: Liebe" wird schnell klar: Anna ist die Schwester von Teresa, der Hauptfigur aus Teil 1, und auch sie ist eigentlich auf der Suche nach Liebe. Sie sucht diese aber nicht bei Männern in Kenia, sondern lieber bei Gott und vor allem dessen Sohn, der "so wunderschöne, tiefe und traurige Augen" hat. Die Rückkehr ihres querschnittgelähmten, moslemischen Ehemann Nabil aus Ägypten entfacht einen interreligiösen Konflikt, der keinen Platz mehr für zuvor "gepredigte" Barmherzigkeit lässt. "Paradies: Glaube" ist sowohl Fortsetzung von "Paradies: Liebe" als auch ein eigenständiger Film, der verstört und unangenehm berührt; in all seiner Konstruiertheit trägt er eine echte, herrlich dreckige und sich nach Liebe verzehrende Seele in sich. Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen in Venedig 2012.
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Deutschland/Frankreich/Österreich 2012
113 Min.
Regie und Buch: Ulrich Seidl Maria Hofstätter, Nabil Saleh, Natalija Baranova, Rene Rupnik u.a.
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