Die Nazis verfolgten den Juden Albrecht Weinberg und seine Familie. Er überlebte das KZ Auschwitz, emigrierte in die USA - und ist schließlich zurück nach Ostfriesland zurückgekehrt. Das Regie-Duo Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel erzählt seine bewegende Geschichte, begleitet ihn bei Gedenkveranstaltungen und Schulbesuchen. Und fragt indirekt auch: Wie wird sich Erinnern ohne Zeitzeug:innen verändern? 116927: Die Schüler:innen stehen in einer Traube um Albrecht Weinberg herum, um ein Foto von seiner tätowierten KZ-Häftlingsnummer zu machen. An dem Gymnasium, das nach ihm benannt ist, erzählt der Holocaust-Überlebende seine Geschichte: von immer schlimmer werdenden Anfeindungen, von Spottliedern, die über Juden skandiert wurden, vom Adolf-Hitler-Platz ganz in der Nähe seines Elternhauses. Von seiner Flucht aus Ostfriesland, von Zwangsarbeit, der Zeit im Konzentrationslager Auschwitz und dem Todesmarsch, den er überlebte. Die Dokumentation des Regie-Duos Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel wählt einen klassischen Ansatz: Einerseits erzählt der Holocaust-Überlebende seine Geschichte, dazu kommen private Archivfotos. Wenn Albrecht Weinberg von der Zeit im Konzentrationslager oder dem Todesmarsch berichtet, liegen nicht etwa Archivbilder darüber. Stattdessen sieht man aktuelle Aufnahmen aus der leeren Gedenkstätte. So steht Albrecht Weinbergs Stimme im Fokus und nicht die kanonischen Filme der Befreiung - die man zudem schon häufig gesehen hat. Albrecht Weinberg konnte die Premiere des Films an seinem 101. Geburtstag am 7. März dieses Jahres noch erleben. Am 12. Mai starb er im Alter von 101 Jahren in Leer. Fabian Schäfer