Der Film nach Motiven von Frank Wedekind entwickelt den Sog eines Abwärtsstrudels: vom luxuriösen Berliner Varieté über ein illegales Spielschiff bis in den tödlichen Nebel Londons. Lulu, gleichermaßen unschuldig, amoralisch und absolut zerstörerisch, bleibt sich treu, während die Welt um sie herum zerbricht. Louise Brooks, die gerade in dieser Rolle zum vielleicht ikonischsten Flapper mit Bubikopf avanciert, verkörpert sie nicht als berechnendes Biest, sondern als reine Projektionsfläche für männliche Obsessionen.
Im Anschluss an den Film findet im
Kino ein Gespräch zum Kino der Goldenen Zwanziger und damit der Weimarer Republik statt. Mit den expressionistischen Schatten, fliegenden
Kameras und formalen Experimenten war sie eine der vielfältigsten Perioden
der gesamten Filmgeschichte, die spätestens 1933 ein Ende fand. Seit Siegfried Kracauers Werk Von Caligari zu Hitler wurde aber immer wieder
auch die Frage gestellt, was diese Filme über ihre Zeit und das, was danach kam,
sagen.
Rüdiger Suchsland
…ist Autor, Filmkritiker, Journalist und Filmemacher. Aufgewachsen
in Frankfurt studierte er in München Geschichte und Philosophie.
Seit Ende der 1990er Jahre ist er als Filmkritiker für zahlreiche
Publikationen tätig, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung,
den Filmdienst und Deutschlandfunk. Mit zwei Filmen zur deutschen Filmgeschichte erhielt er internationale Preise. „Von Caligari zu Hitler“ (2014) über das
Kino der Weimarer Republik und „Hitlers Hollywood“ (2017) über das Filmschaffen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Alexandra Vinzenz
… ist promovierte Kunsthistorikerin und seit 2023 Akademische Rätin am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg. Ihre orschungsschwerpunkte liegen in der Moderne und Gegenwart, insbesondere in den Interaktionen zwischen Kunst, Musik, Theater und Populärkulturen. Ein besonderer
Fokus ihrer Arbeit gilt der Theorie und Geschichte des Films sowie
dem Stummfilm.
Der Stummfilm wird live auf dem Klavier begleitet von:
Wolf Dobberthin … gehört zu den vielfältigsten Musikern der Region und ist ein musikalischer Stammgast der Filmfestspiele. Über die Jahre hat er schon viele Stummfilme an verschiedenen Instrumenten begleitet.
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DEUTSCHLAND 1929
143 Min.
Regie: Georg Wilhelm Pabst, Buch: Georg Wilhelm Pabst, Ladislaus Vajda, Joseph Fleisler, Kamera: Gü Louise Brooks, Fritz Kortner, Franz Lederer, Carl Goetz u.a.
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