Vor dem Film laden die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs zu Sekt und Selters ein.
Trailer: FSK freigegeben ab 12 Jahren
In den estnischen Rauchsaunen treffen sich Frauen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten zum gemeinsamen, stundenlangen Saunieren. Dieses Ritual begleitete die Filmemacherin Anna Hints über sieben Jahre und viele Saunasitzungen lang zu ihrem Dokumentarfilm "Smoke Sauna Sisterhood". Wir sehen und hören die praktischen Rituale des Feuermachens, der Güsse, Beschwörungen und des Wedelns mit Zweigen. Die Kamera nimmt die Füße, die Beine der Sitzenden ins Visier, eine Brust, einen Rücken, der von einer anderen Frau mit Birkenzweigen bearbeitet wird. Wir hören Bekenntnisse, mit den Hüllen fallen Tabus. Oft wird das Gesicht der Erzählenden gar nicht gezeigt, sondern das einer Zuhörerin, die versunken in den Raum blickt oder die Augen geschlossen hält. Es gibt füllige und schlanke Körper, die alle ihre natürliche Würde haben. Sanfte Stimmen flüstern unausgesprochene Ängste und leidvolle Erkenntnisse in das schützende Dunkel der dampferfüllten Sauna. Aufgefangen vom leisen Zuhören ihrer Gefährtinnen berichten die Frauen von ersten Liebschaften, aber auch von sexuellen Übergriffen oder unerträglichen Geburtsschmerzen. So entsteht im Verlauf des Films hinter dem uns vertrauten Bild eines modernen, emanzipierten und vorbildlich digitalisierten Estlands das einer reaktionären Dunkelwelt, die von männlicher Gewalt, Sprachlosigkeit und Tabus durchzogen ist.
Anna Hints erhielt für SMOKE SAUNA SISTERHOOD beim Sundance Film Festival 2023 den Regiepreis.